Calin Kruse im Interview – dienacht Magazin

Freitag, 4. April 2008
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Kommentare (1)

Calin Kruse im Interview - dienacht Magazin

Calin Kruse, derzeitiger Student für Kommunikationsdesign an der FH Trier, ist seit 2007 für das Independent Magazin „dienacht“ verantwortlich. Seit Ende März ist die dritte Ausgabe seines Magazins erhältlich (minstyle berichtete).

Auch sonst beschäftigt er sich gerne mit der Gestaltung und Umsetzung von Magazinen und veranstaltet demnächst eine Ausstellung zum Thema. Im Interview mit minstyle gewährt Calin Einblicke in seine Arbeitsweisen und Ansichten.

Calin, du bist verantwortlich für „dienacht – Magazin für Fotografie, Gestaltung und Subkultur“. D.h. du bist Herausgeber, Redakteur und gleichzeitig auch für das Layout des Magazins zuständig. Welche Person verbirgt sich genau hinter diesem Einmannprojekt?

Ich studiere Kommunikationsdesign in Trier, bin 26, vor kurzem Papa geworden, und bringe auch ein Fanzine namens „rough“ hin und wieder heraus. Meistens als Ausgleich zu „dienacht“.

Wie ist die Idee zu dienacht entstanden?

Auch wenn es mir das lange Zeit nicht bewußt war, habe ich „schon immer“ Magazine herausgegeben. Das erste war eine Französisch-Hausaufgabe in der 2. Klasse in Form einer Zeitschrift. Und dann immer wieder kleinere Projekte, wie zum Beispiel „rough“.

Bevor ich 2004 anfing, Kommunikationsdesign zu studieren, war ich auch kurz davor, eine kleine Stadtbroschüre zu machen, es scheiterte aber an der Finanzierung. Während des Studiums habe ich mir dann die ersten Gedanken zu „dienacht“ gemacht, Artikel geschrieben und Fotografen/Künstler angesprochen. Ichwollte einfach „etwas“ machen, ohne genau zu wissen, was.

Realisiert wurde es schließlich 2006, nach dem FH-Wechsel von Mannheim nach Trier, als Semesterprojekt, das Magazin war aber immer noch nicht vollständig und druckfertig. Anfang 2007 war die erste Ausgabe endlich da.

Das Magazin trägt den ungewöhnlichen Titel „dienacht“.
Wie ist es dazu gekommen?

Nachts ist man oft am kreativsten, man hat die meisten Ideen, mir geht es zumindest so; und das Magazin sollte eine kleine Inspirationsquelle sein, wie die Nacht eben…

Es gibt auch eine Erläuterung dazu, damit fängt jede Ausgabe an:

„Die Nacht verbirgt vieles, was erst am Tage sichtbar wird. Sie ist eine Ideengeburtsmaschine.“

Das Medium dienacht unterscheidet sich auch formal von anderen Magazinen.
Inwiefern unterscheidet sich dein Magazin von der Konkurrenz?

Das Magazin ist nicht kommerziell ausgelegt, kein Mainstream. Man findet in „dienacht“ keine bestimmte Art Fotografie, nur weil diese gerade „in“ ist. Ich würde auch nicht unbedingt sagen, dass es eine Konkurrenz für „dienacht“ gibt, da die meisten Magazine eine bestimmte Ausrichtung haben – entweder Fotografie, oder Design, oder Streetart. Es gibt noch die Art-Fashion-Lifestyle-Magazine, die sind aber eher Hochglanz und schon sehr Mainstream.

Das Format ist auch anders wie bei den meisten Magazinen. Die allererste Ausgabe war noch ein bisschen kleiner wie die jetzige. Es ist das Gegenteil von Photonews, obwohl ich zwischen den beiden irgendwie eine „Verwandtschaft“ sehe, die unbewußt zustande gekommen ist.

Außerdem ist „dienacht“ handgemacht, das fängt bei der Einzelnummerierung an bis hin zum persönlichen Kontakt zu den Käufern des Magazinn, die Interesse daran haben, mir etwas zu schreiben oder etwas Bestimmtes zu fragen.

Was macht für dich ein gutes Editorial Design aus?
Gibt es ein Magazin, welches dir besonders gut gefällt?

Ich mag Magazine, die so aussehen, dass man sie nicht unbedingt lesen möchte… Also verspielt, oder die viel kreatives Potenzial zeigen. Das kann auch durch die Inhalte oder verschiedene Materialien und/oder Prägungen transportiert werden. Das Magazin „ARTIC“ zum Beispiel ist nicht unbedingt bekannt, es ist aber genial gemacht. Ich glaube, es ist mein Lieblingsmagazin.

Es gibt sehr viele unabhängige Magazine oder Zines, die super sind aber kein Budget für Vertrieb haben und man sie deswegen nur selten findet. Vielleicht ist es besser so, denn ohne Verkaufsdruck bleiben die Ideen der Magazinmacher frisch. Das Magazin „+81“ aus Japan hat zwar eine hohe Auflage, ist aber aufgrund des Editorial Designs eins der Favoriten.

Warum erscheint dienacht zweisprachig?

Damit man auch im Ausland das Magazin lesen kann. Es gibt tatsächlich einige Leute aus Kanada, Holland, Argentinien, Brasilien, USA usw., die sich das Magazin bestellen, es gibt auch einige Auslandsabonnenten. Ich überlege aber trotzdem, „dienacht“ nicht mehr übersetzen zu lassen. Dann hätte man Platz für ein-zwei Artikel mehr, da die Seitenzahl feststeht.

Wie würdest du deine Arbeitsweise beschreiben?
Bist du eher intuitiv oder arbeitest du sehr konzeptionell?

Alles entsteht aus dem Bauch heraus. Das „Konzept“ ist auch intuitiv, die ausgewählten Beiträge auch. Die Projekte, die veröffentlicht werden, finde ich beim Surfen, oder in Ausstellungen, oder durch Freunde. Ich suche aus, was mir persönlich gut gefällt, und dann schreibe ich Leute an, ob sie in „dienacht“ ihre Arbeiten veröffentlichen möchten. Die meisten sagen zu. Manchmal werden aber auch Bewerbungen ausgesucht. Und die Arbeitsweise ist machmal chaotisch. Wenn mir etwas gefällt, was ich spät entdecke, kann es sein, dass eine Woche vorm Drucktermin noch ein Artikel reinkommt, und dann muss die ganze Gestaltung umgekrempelt werden, damit die Seitenzahl trotzdem gleich bleibt.

Wie finanziert sich derzeit dein Magazin?

Das Meiste kommt aus der eigenen Tasche; es gibt auch einige Anzeigen, sie machen aber vielleicht ein Viertel der Druckkosten aus. Insgesamt ist es ein Kampf, das Magazin zu finanzieren, auch wenn die Anzeigekunden immer mehr werden und sich bisher alle Ausgabe selbst tragen konnten.

dienacht ist bereits in der dritten Ausgabe erschienen.
Was ist deine Motivation?

Es macht sehr viel Spaß, das Magazin entstehen zu lassen, die Arbeit daran macht Freude und die Reaktionen darauf erfreuen mich immer wieder. Man lernt auch viele interessante Leute kennen (und Projekte entdecken), die man sonst nie kennenlernen würde – die Fotografen, die Illustatoren, die Künstler. Es sind teilweise auch bekannte Künstler dabei, Leute deren Werke ich in großen Ausstellungen gesehen und sie daraufhin angeschrieben habe.

Man bekommt viele tolle Bewerbungen, die nicht alle zum Magazin passen, dadurch wird man aber angeregt, eine andere Plattform dafür zu schaffen, das Projekt weiterentwickeln. Auch das Organisatorische ist eine große Herausforderung und man lernt viel dabei.

Die Motivation ist die gleiche wie am Anfang: ein Magazin abseits des Mainstreams zu machen, da es zu viele „gewöhnliche“ Magazine gibt. Ich glaube, „dienacht“ ist im Prinzip wie eine Art Blog, nur gedruckt: ich zeige darin, was ich gut finde.

Was wünschst du dir für die Zukunft deines Projektes?

Dass „dienacht“ bekannter wird. Ich habe auch einige Ideen, wie schon erwähnt, das Projekt etwas auszudehnen, die Webseite auszubauen, auch ein Internetprojekt anzufangen; dazu fehlt mir leider noch das Know-how und ein wenig die Zeit, mir das alles anzueignen…

Aber eine Idee wird schon umgesetzt: in Mai findet in Mönchengladbach eine Ausstellung von sechs Fotografen statt, die in „dienacht“ mitgemacht haben bzw. in der nächsten Ausgabe mitmachen werden. Die Fotografen werden auch bei der Vernissage anwesend sein; Originale werden gezeigt. Das ist auch ein Projekt, das ich gerne fortsetzen würde, und nicht unbedingt nur mit Fotografen.

1 Kommentar

  1. Tobias, Montag, 6. Juli 2009, 09:45

    Die Nacht ist wirklich super … habe Calin gerade in Leipzig kennengelernt, nachdem wir das Magazin beim Monat der Fotografie in Hof hatten … toitoitoi

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